Markus und Fabian teilen sich eine Wohnung in Bozen. Und sie teilen die Leidenschaften, leidenschaftlich zu diskutieren und pointiert zu schreiben. In ihrer Küche wird über kompletten Nonsens genauso gerne diskutiert wie über die aktuelle Weltpolitik (nur gekocht wird dort nicht so oft). Ähnlich soll es in diesem Blog passieren.
Das Konzept: beide schreiben einmal pro Monat mit einer vorgegebenen Zeichenzahl ihre Meinung zu einem vorgegebenen Thema. Eine Woche nach Veröffentlichung wird abgerechnet: wer hat mit seinem Text mehr Views und Likes erreicht?
Der Verlierer muss den Müll runterbringen. Der Gewinner darf das Thema für den nächsten Monat bestimmen. Vorschläge dürfen natürlich auch von euch Lesern kommen.
Gute Unterhaltung beim „Battle of Blogs“!

Mittwoch, 2. Januar 2019

Jahresrückblick 2019 - Die 5 krassesten Fake News von 2019 (Fabian)


Unglaublich, schon wieder ist ein Jahr vorbei. Es war ein Jahr voller Ereignisse – Ereignisse von denen man im Moment sehr viel in diversen Jahresrückblicken lesen kann. Es war auch das Jahr der Fake News – die 5 folgenden Nachrichten waren die wohl aufsehenerregendsten Lügen und Falschmeldungen des Jahres.



Spanien ist nicht Katalonien


Stiftete reichlich Verwirrung: Pedro Sanchez
Ministerpräsident Sanchez verkündet im Juli während der Stierhatz in Pamplona die Unabhängigkeit Spaniens von Katalonien. „Lange genug haben wir uns alles von den Katalonen gefallen lassen. Sie mögen keine Stierkämpfe, für Tapas muss man bezahlen und sie haben sogar Flüchtlinge aufgenommen – das reicht! Indipendencia!!“. Was  Sanchez bei dieser Aussage geritten hatte ist nicht klar. Fakt ist – an der Geschichte ist nichts dran, Spanien und Katalonien bilden auch im Dezember noch einen Staat.

Donald Trump hat Kim Jong Uns Atomwaffenknopf gestohlen


Fotofälschung aus taktischen Gründen?
Im Bild Donald Trump und ein Knopf
„Stole this button. So dangerous. Now it’s in safe hands. Awesome”. So tweetete Donald Trump nach dem Atomwaffengipfel in Pjöngjang, und rühmte sich damit, den Auslöseknopf der Nordkoreanischen Atomwaffen gestohlen zu haben, was er auch mit einem Foto belegte (im Bild). Kim Jong Un berief daraufhin umgehend eine Pressekonferenz ein, um den echten Atomwaffenknopf der Öffentlichkeit zu zeigen und dessen Echtheit durch einen schwedischen Atomwaffenexperten bestätigen zu lassen.  Analysten gehen davon aus, dass Trump das Foto gefälscht hat und halten Jong Uns Aussagen für glaubwürdiger. Was genau Trump mit seiner Aktion bezwecken wollte, ist unklar.


Die Merkel ist weg


Nur kurz freuten sich Merkel-muss-weg Skandierer
Merkel-muss-weg Skandierer jubelten über Merkels Tweet im August dieses Jahres.  „Ich bin dann mal weg“, tweetete sie, und war daraufhin für mehrere Wochen für die Öffentlichkeit nicht erreichbar. 
Pegida- und AfD-Anhänger dachten schon, ihre Forderungen seien endlich zur Kanzlerin durchgedrungen. Wie sich allerdings herausstellte, war sie keineswegs ganz weg – sie hatte ihren traditionellen Urlaub in Sulden in Südtirol angetreten, wo es bekannterweise sehr schlechten Handyempfang gibt. Einzig Reinhold Messner kannte den Aufenthaltsort der mächtigsten Frau der Welt und konnte das rätselhafte Verschwinden schließlich in heldenhafter Manier auflösen. Unter Einsatz seines Lebens überquerte er zahlreiche Gletscher um die nächste Stelle mit Mobilfunkempfang zu finden - während einer laufender Live-Sendung kontaktierte er schließlich Markus Lanz, um zu bestätigen, dass es Merkel gut gehe. 

Jeff Bezos kauft den Amazonas


Er sei erzürnt, dass der südamerikanische Strom den Namen seines Unternehmens trage, meinte Bezos in einer Abendsendung.
Sollte Alibaba heißen: Der Amazonas
Langsam dahinfließendes Wasser, Brandrodungen, Moskitos oder Tropenkrankheiten seien mit dem Fluss verbunden, daher sei er ein Imageschaden für den Onlinehändler. Bezos habe auch überlegt, den Namen seines Shops zu ändern, allerdings sei das nach Berücksichtigung aller Image-Effekte wesentlich teuerer als den Fluss zu kaufen und dessen Namen zu ändern – in Alibaba.
Wie Brasiliens Präsident Bolsonaro mitteilte, liege kein Kaufangebot vor, man könne aber über alles reden.

Matteo Salvini isst Kebab


Ist nur nationales Essen: Matteo Salvini
Auf seinem Rückweg vom Spatzenfest macht Salvini einen Zwischenstopp in Bozen – im Kebabladen. „Hat er ein Kebab bestellt – mit Alles und scharf. Ich schwöre“ so der Kebabladen Besitzer. „Erst dachte ich er kommt aus Antalya, wie ich“ meinte der Unternehmer weiter, allerdings habe er dann gemerkt, dass Salvini kein Türkisch verstehe. „Fake News“ skandierte hingegen Salvini. Er ernähre sich ausschließlich von Pizza, Pasta und anderen italienischen Klassikern.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Die 5 besten Momente der WM 2018, die man nicht verpasst haben werden darf (Markus)

1.    Wladimir Putin und der Tiger

Wie bereits in meinem Jahresrückblick 2018 erwähnt, hat der russische Präsident Wladimir Putin die Fußball-WM mit nacktem Oberkörper auf einem weißen Tiger reitend eröffnet. Ein Bild, das um die Welt ging. Da der lupenrein demokratische Präsident der Russischen Föderation allerdings unzufrieden war mit Körperhaltung und Geschwindigkeit des Tigers, wurde dieser gleich nach dem Ende der Eröffnungsfeierlichkeiten erschossen.

Russland im Fußballfieber

2.    Costa Rica und die Drohne

Rauchbomben und Flitzer waren gestern: Heutzutage stört man Fußballspiele anscheinend mit Drohnen. Ein neuer Trend, der bei der WM 2018 geboren wurde? Das Vorrundenspiel Brasilien gegen Costa Rica war beim Stand von 4:0 längst entschieden, als ein costa-ricanischer Fan in seinem Auto auf dem Stadionparkplatz sitzend eine Drohne über das Stadiondach und direkt ans Spielfeld steuerte, wo sie die brasilianischen Verteidiger verwirren sollte. Das hat tatsächlich funktioniert, die costa-ricanischen Angreifer wurden allerdings gleichfalls verwirrt. Die Drohne wurde sofort eingefangen, die extern auslesbaren Aufnahmen innerhalb kürzester Zeit zum viralen Hit. Das Spielergebnis hat die Drohne freilich nicht beeinflusst, Brasilien gewann am Ende 5:0.

Von einer Drohne fotografierte Szene aus dem Spiel Brasilien gegen Costa Rica


3.    Oliver Kahn und die kaputte Kamera

Der Ausraster von Oliver Kahn nach dem völlig unwichtigen Gruppenspiel Saudi-Arabien gegen Ägypten war für mich DAS Highlight der WM. Olli Kahn, der, wie vor der WM noch niemand wusste, als Torwarttrainer für die Saudis arbeitet, war nach den unnötigen Patzern des saudischen Tormanns (das Spiel endete bekanntlich 3:1 für Ägypten) so außer sich vor Wut, dass er Oliver Welke vor laufender Kamera drei Minuten lang anbrüllte und schließlich eine Kamera zertrümmerte. Ob der Vertrag der „Oliver Kahn Academy“ mit dem saudi-arabischen Fußballverband nach dessen punktlosem Ausscheiden aus der WM verlängert wird, ist derzeit noch unklar.

Kahn im Spreewald
4.    Brexit nach Elfmeterschießen

Diesmal also gegen Polen: England ist auch bei dieser WM in einem Elfmeterschießen gescheitert. Bayern-Stürmer Robert Lewandowski versenkte den entscheidenden Elfmeter und führte sein polnisches Team ins Viertelfinale (wo es dann an Brasilien scheiterte). Neben kochen, Sonnencreme kaufen und sozialer Wohnungspolitik gehört Elfmeterschießen definitiv zu den Dingen, die Engländer nicht beherrschen. Dafür haben sie einmal die halbe Welt beherrscht, das ist ja auch was.

Der entscheidende Ball von Lewandowski

5.    Deutschland ist Weltmeister!!

Gegen Schweden gab es in der Vorrunde nur ein 2:2, aber Mexiko, Südkorea, Serbien, Belgien und Portugal hat Deutschland auf dem Weg ins Finale besiegt. Dort wartete der Angstgegner Frankreich. Seit 1871 konnte Deutschland nicht mehr gegen Frankreich gewinnen, nun war es endlich mal wieder so weit. Nach Italien (1934 und 1938) und Brasilien (1958 und 1962) ist Deutschland somit die dritte Nation, die einen WM-Titel verteidigen konnte. Oliver Bierhoff und Jogi Löw haben nach dem Sieg spontan entschieden, die WM-Feierlichkeiten im Spiegelsaal in Versailles abzuhalten. Emmanuel Macron hat vorgeschlagen, die Feierlichkeiten in Versailles zu nutzen, um gleich an Ort und Stelle „Die vereinigten Staaten von Europa“ zu gründen. Er wartet allerdings noch auf eine Antwort von Angela Merkel.


Versailles vor der großen Feier


Eine Stimmung wie 1871

Die 5 besten Momente der WM 2018 die man nicht verpasst haben werden darf (Fabian)


Wirtschaft in Island gerät ins Stocken


Nach dem Einzug Islands ins Achtelfinale zog es dermaßen viele Isländer nach Russland, dass das kleine Land große Probleme hatte, die Grundversorgung aufrecht zu erhalten. Busse fuhren nur vereinzelt, Schulen waren geschlossen (es waren ohnehin keine Schüler mehr da) und auch der Flughafen in Reykjavik hatte große Probleme das Passagieraufkommen zu stemmen.

Wahnsinns-Transfer


Sandro Wagner wechselte nach Saudi Arabien. Nachdem er sich über seine Nicht-Nominierung für den deutschen WM Kader beschwert hatte und daraufhin aus dem DFB Kader zurückgetreten war, kam unerwartet der Transferhammer. Am ersten WM Tag präsentierten die Scheichs aus Saudi Arabien den Coup – die Verpflichtung von Sandro Wagner. Über die Summe wurde Stillschweigen vereinbart, es ist jedoch von Millionenbeträgen, einer Oase in der Wüste und lebenslange Versorgung mit protzigen Sportwagen die Rede. „Für mich war beim DFB klar, dass ich mit meiner Art, immer offen, ehrlich und direkt Dinge anzusprechen, anscheinend nicht mit dem Trainerteam zusammenpasse. In Saudi-Arabien passt es nun endlich und ich fühle mich hier wohl wie ein Pascha.“  

Entäuschter Matteo Salvini



Als Vize-Premier fühlte sich Matteo Salvini dazu berufen „seine“ Squadra Azzurra in Russland zu besuchen. Eine kurze Begegnung mit seinem Schwarm Putin erhoffte er sich obendrein. Als er erfuhr, dass die italienische Nationalmannschaft nicht am Turnier teilnimmt zeigte sich Salvini fassungslos. „Ich bin wirklich wütend“ postete der Innenminister auf Twitter; es handle sich um eine Verschwörung der EU-Eliten und der Weltbank, meinte er weiter.


Hacker manipulieren den Videobeweis: 


Der Videobeweis bei der WM musste nach der Vorrunde wieder abgeschafft werden. Hacker aus aller Welt machten sich daran zu schaffen und sorgten mitunter für kuriose Szenen. Mal fiel der Bildschirm einfach aus, mal sah man lustige Pannenvideos. Als dann im Spiel Uruguay - Russland die Lettern "Russia - U R Gay" über den Bildschirm krochen, während man auf eine strittige Abseitsentscheidung wartete, platzte der FIFA der kragen. "Uns ist wichtig, dass alles mit rechten Dingen zugeht; daher haben wir die Reißleine gezogen" so FIFA Präsident Infantino. 

Furiose Pokalübergabe


Das gabs noch nie! Der Staatspräsident übergab den Pokal eigenhändig an Weltmeister Frankreich. Davor war er auf dem Rücken eines Bären durch Moskau ins Stadion geritten, die Zügel in der Linken, den Pokal in seiner Rechten. Nach der obligatorischen Vodka-Dusche nahm Kapitän Pogba den Pokal entgegen.

Dienstag, 2. Januar 2018

Jahresrückblick 2018 - ein Jahr in 5 Hashtags (Fabian)

5 Hashtags für 2018


2018 – was für ein Jahr. Jesus wäre 2018 Jahre alt geworden, Karl Marx 200, und der erste Weltkrieg ist seit 100 Jahren Geschichte. Aber auch in diesem Jahr hat sich einiges abgespielt – hier ein Rückblick mit den populärsten Hashtags der vergangenen 365 Tage.

#Brentry: 

Not amused: Queen Elizabeth II
„Unbelievable – da verlässt man sich einmal auf die Österreicher und ist verlassen!“ empört sich die Queen. Das Votum zum Verbleib von UK in der EU muss wiederholt werden. Schuld daran sind die Kuverts der Briefwahl, die aus Österreich importiert wurden und offenbar nicht den Standards entsprachen. Indes sieht es für die Austrittsbefürworter nicht besonders gut aus. #Brentry ist der am häufigsten verwendete Hashtag des Jahres, dicht gefolgt von #youthquake. Vor allem die junge Bevölkerung macht sich für einen Verbleib in der EU stark. Der österreichische Hersteller der Kuverts hingegen gibt sich gelassen: „Jo mei, in dem Jahr mussten wir so viele Kuverts herstellen, mit der immer selben Menge an Kleber. Da musst halt ein bissl kreativ sein.“


#Haschtag

Feiern den ersten Haschtag: Cannabis-Aktivisten
Cannabis wird EU-weit legalisiert – das bestimmt eine EU-Verordnung, die im Sommer erlassen wurde. Cannabis-Befürworter jubeln und wollen den „Tag der Befreiung von der Prohibition“ mit einem sogenannten „Haschtag“ feiern. „Joint us, zusammen kommen wir hoch hinaus“, meint der Anführer der Liberalisierungsbewegung.






#StoppdemBären


Auch er will die Bären stoppen: Alois aus dem Ultental
Bürgerwehren marschieren auf, Feuerwehren fahren Patrouille, Schützenkompanien begleiten die Jäger bei der Jagd. Der Bär ist los. Nachdem ein Bär den Opferstock einer Kirche im Ultental umgeworfen hatte, startete eine Südtiroler Zeitung eine „Aufklärungskampagne“ mit dem Slogan „Stopp dem Bären“. „Dass sich die mediale Hetzjagd nun in eine richtige Hetzjagd verwandelt – das konnte doch niemand ahnen“ meint der Herausgeber. Dabei hätten doch die vorangegangenen Kampagnen, mit denen man – immer im Dativ – etwas stoppen wollte so wunderbar funktioniert: „Einbrüche, Gewalt, allem haben wir gestoppt“ so der Zeitungschef. Nur dieses Mal habe sich ein verängstigter Mob über soziale Medien selbst organisiert. „Da können wir nur wenig machen, diese sozialen Medien kontrollieren wir noch nicht“ so der Medienmogul. Die Bärenjagd trug zweifelhafte Früchte: zwei angeschossene Pilzsucher aus dem Trentino, ein Mountainbiker mit Streifschuss und 3 erlegte kapitale Hirsche – nur Bär wurde keiner gestoppt.

#Iceland


Schoss Island zum WM-Titel: Stürmerstar Sigtorsson
„Tor, Tor, Toor, i werd‘ narrisch“ so die deutsche Übersetzung des Jubelschreis des isländischen Kommentators Edi Fingerdsson nach dem Siegtreffer im WM Finale in Moskau gegen Portugal. „Wir fallen uns um den Hals, der Kollege Riffelsson, der Dipl. Ing. Bososson – und warten sie noch ein bisschen, vielleicht können wir uns in wenigen Minuten ja ein Gläschen Brennivin genehmigen“ so der euphorische Sprecher weiter. Island hat es tatsächlich geschafft und steigt auf den internationalen Fußballthron. Titelverteidiger Deutschland war nach furioser Vorrunde im Halbfinale gegen die USA gescheitert. „Wir haben Belgien geschlagen, wir haben Frankreich besiegt, wir standen bereits mit einem Bein in Moskau und wir haben gekämpft wie selten zuvor -  aber wer konnte schon damit rechnen, dass die Amerikaner so stark angreifen werden“ so Spielführer Jerome Boateng. Argentinien – in der Vorrunde ausgeschieden -  hatte kurz vor der WM seinen Star verloren: Lionel Messi hatte das Angebot einer zweiten Staatsbürgerschaft als Bürger der Vereinigten Emirate genutzt und sich auf die Seite der Scheichs geschlagen. „Mit Pässen kenn ich mich aus, der Doppelpass kam gerade recht“ so der Ex-Argentinier.

#Eristwiederda und #Laquinta


Kämpft für die Frauenquote: Silvio Berlusconi
Da ist sie wieder – die einzige Konstante der italienischen Politik. Zum 5. Mal wurde Silvio Berlusconi nun als Ministerpräsident Italiens vereidigt – seine Partei regiert nun zusammen mit dem Mitte-Links Bündnis von Matteo Renzi, nun Außenminister. Die erste Maßnahme der Regierung: Einführung einer qualifizierten Frauenquote in allen öffentlichen Ämtern. „Frauen liegen mir sehr am Herzen. Aber es geht auch um die Qualität, nicht nur um die Quantität. So unterstützten wir vor allem junge Frauen mit gepflegtem Äußeren. Darum werde ich mich persönlich kümmern“ so der Regierungschef.

Jahresrückblick 2018 – CSU nurmehr in Bayern, Erdoğan in Meran, Gabriel auf dem Mond (Markus)

Was war dieses 2018 für ein verrücktes Jahr. In drei wichtigen Ländern wurde gewählt: Russland, Italien und Südtirol. In Russland gab es zudem die erste Fußball-WM, bei der der Weltmeister – Deutschland – erst nach der WM gekürt wurde, weil der Finalsieger des Dopings überführt wurde. Und sonst so? Cem Özdemir wurde doch noch deutscher Außenminister, die CSU hat Berlin-Mitte-Verbot erhalten und der Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet wurde endgültig eingestellt.

Mit dem Ende des Steinkohlebergbaus hat Sigmar Gabriel seine letzten Kumpels verloren. Die SPD hat nun endlich erkannt, dass sie im globalisierten und digitalisierten 21. Jahrhundert nur dann eine Daseinsberechtigung hat, wenn sie sich auch als Vertretung der prekär Beschäftigten im Dienstleistungssektor, in der Wissenschaft und in Start-Ups begreift und nicht mehr nur als Vertreter der ohnehin privilegierten Gewerkschaftsmitglieder in der Schwerindustrie. Sigmar Gabriel hat das noch immer nicht erkannt und wurde folglich 2018 mit der ersten Rakete von Elon Musk auf den Mond geschossen. Angeblich, um dort als erster Außenminister überhaupt die politischen Interessen seines Landes zu vertreten. Man vermutet aber einen Komplott von Martin Schulz und Andrea Nahles, um Gabriel endlich loszuwerden.

Wen man auch 2018 nicht losgeworden ist, ist Silvio Berlusconi. Nach unzähligen Regierungswechseln gab es in Italien mal wieder etwas, das es schon länger nicht mehr gab: Wahlen. Das Volk hatte die Wahl zwischen Rechtspopulisten, Komikern (Berlusconi) und Cinque Stelle. Und hat sich so entschieden, dass die beiden Matteos (Renzi und Salvini) jetzt gemeinsam regieren müssen, weil die stärkste Partei – Beppe Grillos Cinque Stelle – mit niemandem regieren will. Somit müssen jetzt links und rechts, EU-Befürworter und EU-Hasser, Vernunft und Populismus, irgendwie gemeinsam regieren.

Weltmeister 2018: Schland
Berlin-Mitte-Verbot für die CSU

Wie viel einfacher ist da doch die sogenannte „Große“ Koalition in Deutschland, die ja letztendlich – und nach lautstarker Kritik aus Griechenland am langsamen Regierungsbildungsprozess und dem hohen Rentenniveau in Deutschland – doch noch zustande gekommen ist. Auslöser war das Machtwort von Martin Schulz: „Mannomannomann, meinetwegen regieren wir halt weiter, aber nicht mit diesem bayerischen Trachtenverein“. Weil Angela Merkel der Machterhalt wichtiger war als der Fraktionsfrieden, hat sie ausgerechnet im Jubiläumsjahr „100 Jahre Freistaat Bayern“ die CSU tatsächlich rausgeschmissen und regiert nun gemeinsam mit SPD und Grünen. Also Kenia statt Bayern, Klimaschutz statt Klientelpolitik und zum ersten Mal ein türkischstämmiger Außenminister. Nach dem Rauswurf der CSU samt Berlin-Mitte-Verbot für alle Mandatsträger hat Horst Seehofer – der dank seines Wissens über die damaligen Vorgänge der Kanzlerin jahrelang auf der Nase rumtanzen konnte – doch noch ausgepackt, in welche Skandale und Skandälchen Angela Merkel zur Regierungszeit Helmut Kohls verwickelt war. Das Kanzleramt durfte Merkel behalten, aber den CDU-Vorsitz musste sie deshalb 2018 abtreten – wobei ihre Wunschkandidatin Ursula von der Leyen in der Kampfabstimmung gegen den Posterboy der Konservativen, Jens Spahn, verloren hat.
Mit dem Ausscheiden der CSU verlor Angela Merkel ihre drei schlechtesten Minister: Gerd Müller wird nun Torwarttrainer beim TSV 1860 München; Christian Schmidt, der gegen besseres Wissen und Gewissen dafür gesorgt hat, dass Glyphosat weiter verwenden werden darf, wechselt als Berater zum Glyphosat-Hersteller Monsanto („Monsanto gehört bald zu Bayer, und ich bin ja auch ein Bayer. So isser, der Schmidt“), wo er sich ein goldenes Näschen verdient; Alexander Dobrindt hingegen bleibt in der Politik – für alles andere ist er schlicht und ergreifend zu blöd.

Hat Berlin-Mitte-Verbot: CSU
FLIRT, KISS und FUCK

Eine große Überraschung gab es 2018 im Mobilitätssektor: FlixBus betreibt nun auch Züge und ging mit seinen grünen „FlixTrains“ an den Start. Nach ÖBB (u.a. München – Wien) und SBB (u.a. Stuttgart – Zürich) gibt es jetzt also einen dritten professionellen und zuverlässigen Anbieter von Fernverkehrszügen in Deutschland. Vorerst setzt FlixTrain Gebrauchtfahrzeuge ein, ist aber Erstbesteller eines neuen Zugtyps von Stadler: Nach FLIRT („flinker leichter innovativer Regional-Triebzug“) und KISS („komfortabler innovativer Spurtstarker S-Bahn-Zug“) stellte der Schweizer Zughersteller 2018 folgerichtig das Modell FUCK („flinker umweltfreundlicher City-Konnektor“) vor. Damit ist die Modellpalette vorerst vollständig – auch wenn die Fachpresse bereits auf das Zugmodell BABY wartet.

Weitere Kurzmeldungen des Jahres 2018
  • Während des Kur-Aufenthalts von Recep Tayyip Erdoğan in Meran wurde das Kreuz auf der Ifingerspitze entfernt, damit der türkische Staatspräsident aus seinem Hotelzimmer ungestört auf den Halbmond blicken konnte.
  • Apple hat einen aufklappbaren Fernseher in Form einer Birne präsentiert. Der Bildschirm des „Pear 1“ kann zweigeteilt werden, sodass Ehepaare mit Bluetooth-Lautsprechern auf den Ohren nun gleichzeitig Tatort und Rosamunde Pilcher schauen können.
  • Was in Katalonien gescheitert ist, könnte in Schottland nun klappen: die Nachfolger von Maria Stuart und Braveheart haben 2018 einen neuen Anlauf zur Unabhängigkeit gestartet.
  • Donald Trump und seine Ehefrau Melania haben sich getrennt. Melania Trump wird eine Affäre mit Wladimir Putin nachgesagt, der die Fußball-WM bekanntlich mit nacktem Oberkörper auf einem weißen Tiger reitend eröffnete und die ehemalige-und-zukünftige Präsidentengattin damit beeindrucken konnte.
Hier muss Melania Trump bald wohnen: Moskau


Donald Trump und das Ehepaar Putin werden uns auch 2019 weiter beschäftigen. Aber jetzt wird erstmal Sylvester gefeiert.


Ihr findet den Post auch in meinem Blog www.markusbelz.blogspot.com

Dienstag, 3. Oktober 2017

Warum sich Katalonien die Unabhängigkeit redlich verdient hat (Fabian)

Um zu erkennen, dass etwas Großes passiert in Europa, reicht es die Menschenmassen vor den Wahllokalen zu betrachten. Leute stehen Schlange und setzen sich Polizeigewalt aus – und das alles um wählen zu dürfen. In Zeiten von Politikverdrossenheit eigentlich undenkbar. Ein Recht wird umso kostbarer, wenn es nicht selbstverständlich ist. Dies gilt am 1. Oktober 2017 für das Wahlrecht in Katalonien – es gilt in Katalonien aber auch für das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung.



Langfristigen Frieden in Europa erreicht man am besten damit, dass man bestehende Grenzen nicht anrührt, keine alten Wunden aufreißt und wenn möglich alles so belässt wie es ist. Dies ist eine weit verbreitete Meinung unter Europas Eliten, die bei dieser Gelegenheit gerne darauf verweisen, dass ohnehin die EU mit ihrem starken und wachsenden Einfluss die Nationalstaaten überflügelt. Diese Optik wirft gleich mehrere Fragen auf: Wer entschiedet ab wann die Grenzen als „in Stein gemeißelt“ gelten und wer entschiedet welche es sein sollen. Warum darf der Kosovo unabhängig werden, warum darf die Slowakei ein Staat sein, warum wird dieses Recht auf Unabhängigkeit aber Katalonien verwehrt? Das Recht auf Unabhängigkeit darf kein Verfallsdatum haben und es darf nicht daran scheitern, dass ein paar Bürokraten in Brüssel vor der damit verbundenen Bürokratie zurückschrecken.

Warum überhaupt Katalonien, und warum jetzt?, das fragen sich gerade viele. „Warum nicht?“ frage ich zurück. Katalonien ist eine weltoffene Region, die nicht aus geschichtsrevanchistischen Gründen die Unabhängigkeit anstrebt sondern diese als ein ambitioniertes Zukunftsprojekt sieht. Alle ethnischen Gruppen und alle sozialen Schichten stehen in gleichem Maße hinter dem Projekt – es wird also niemand gegeneinander ausgespielt. Auch folgt die Unabhängigkeitsbewegung keiner Agenda einer rechten Partei  - die Eigenstaatlichkeit ist ein überparteiliches Projekt.

Abgesehen von geschichtlichen Ereignissen und der eigenen Sprache sind es auch aktuelle Entwicklungen, die die Region am Mittelmeer zur Unabhängigkeit bewegen. Katalonien nimmt schon heute seine Verantwortung in Europa und in der Welt wahr und agiert in Krisensituationen (Fluchtlingskrise, Terrorangriffe) souverän. Die Regionalregierung hat es in den letzten Jahren erfolgreich geschafft, eine katalonische Gemeinschaft aufzubauen. Wie keine andere Region in Spanien schaffte man es,  Zuwanderer zu integrieren und eine pluralistische und zugleich  katalanische Gesellschaft aufzubauen. Rund um Barcelona boomt der Tourismus, es gibt zahlreiche internationale Unternehmen, die Gegend ist bei Expats sehr beliebt. Barcelona, das steht für Moderne, für Fortschritt und Weltoffenheit. Mit dieser Entwicklung hat sich der Spalt zum spanischen Staat weiter geöffnet. Das neue Autonomiestatut, das das Verfassungsgericht zurückgewiesen hat, tat das übrige dazu – die Unabhängigkeitsbewegung wurde gestärkt.

Aber...aber die Verfassung verbietet die Unabhängigkeit – werden jetzt viele schreien. Ja, stimmt - die Aufgabe der Verfassung ist es aber auch den Staat zu definieren. Dass diese keine Sezession vorsieht ist daher nicht überraschend. Ein Unabhängigkeitsreferendum anhand der Verfassung zu delegitimieren ist mehr als hanebüchen. Die Legitimation des Brexit stellt (im Gegensatz zur Sinnhaftigkeit) keiner Infrage– die Bevölkerung hat ihren Willen demokratisch bekundet und wo ein Wille da ein Weg. Wenn es keinen gibt muss er geschaffen und ausgehandelt werden, wenn es auch noch so mühsam ist – so funktioniert Demokratie. Wenn ein Gebiet friedlich und demokratisch den Weg zur Unabhängigkeit gehen will, was soll daran illegal sein?

Zum Schluss noch Europa. Ist es das Ende der EU, wenn sich Regionen von Staaten abspalten? Nein, im Gegenteil. Es ist der Anfang eines postnationalistischen Europas. Eines Europas in dem die Nationalstaaten (die ohnehin keine Nationalstaaten im eigentlichen Sinne sind und es nie waren) ihren Einfluss verlieren und Regionen gestärkt werden. Regionen können auf lokale Eigenheiten, auf kulturelle Minderheiten, auf ethnische Besonderheiten Rücksicht nehmen, während die EU das große Ganze steuert. Staaten brauchen wir da höchstens noch als Verwaltungsbezirke – und wen schert’s, wenn sich da Grenzen verschieben. Das Referendum in Schottland, jenes in Katalonien, das angestrebte im Veneto und viele weitere Bewegungen in Europa haben gezeigt: Nationalstaaten werden dem 21. Jahrhundert nicht gerecht: zu klein für die globalisierte Welt, zu groß um lokalen Eigenheiten Rechnung zu tragen.

Dass es zu einem unabhängigen Catalunya kommt, davon bin ich mittlerweile überzeugt. Spanien hat mit seinen faschistoiden Reaktionen jede Glaubwürdigkeit und jede Sympathie verspielt – in Katalonien, in Europa und in der Welt. Zuviel Porzellan ist zerbrochen, als dass man die Katalanen nochmals mit einer Autonomie besänftigen könnte. Die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien ist friedlich, demokratisch, vorwärtsgewandt und weltoffen – ich sehe keinen Grund, ihr nicht alles Beste und allen Erfolg zu wünschen.  

Warum die Unabhängigkeit Kataloniens ein Blödsinn ist (Markus)

90 Minuten lang hat Emmanuel Macron letzten Dienstag eine mutige Zukunft Europas skizziert. Mit einer europäischen Armee. Einer europäischen Finanz- und Wirtschaftsunion. Einer europäischen Asylbehörde. Klingt alles ziemlich vernünftig. Eine katalonische Armee wäre hingegen ein ziemlicher Blödsinn.

Katalonien ruft den katalanischen Staat innerhalb der Republik Spanien aus. Damit wird eine Spirale der Gewalt ausgelöst, die zwei Jahre später im Bürgerkrieg endet. Am Ende gibt es einen Diktator.

Das war 1934 (bis 1939). Aber Geschichte wiederholt sich ja bekanntlich. Und weil Katalonien mit dem seit 1978 gültigen Autonomiestatut unzufrieden ist (und eine Ausweitung 2010 aufgrund einer Klage der rechtskonservativen Partei von Mariano Rajoy gescheitert ist), begeht die stolze Teilrepublik jetzt die Dummheit, mit einer undemokratischen Abstimmung (oder wie sollte man eine verbotene Abstimmung ohne Wählerlisten sonst nennen?) ganz Spanien, wenn nicht gar die gesamte Europäische Union, ins Chaos zu stürzen. Statt einfach abzuwarten, bis Rajoy nichts mehr zu melden hat und in Madrid wieder eine vernünftige (sozialistische) Regierung regiert, regiert nun vermutlich bald die Anarchie. Aber damit kennt man sich in Barcelona ja aus: 1936-1939 war Katalonien Schauplatz der einzigen (zeitweise) geglückten anarchistischen Revolution in der Europäischen Geschichte. Sagt zumindest Prof. Wikipedia, der muss es wissen.

Katalonien ist bekanntlich nicht die einzige aufmüpfige spanische Teilrepublik. Who’s next? Wer hat noch nicht Unabhängigkeit, wer will nochmal? Galizien? Baskenland? Balearen? Kanaren? Sollen die dann alle EU-Mitgliedsländer und Euroländer werden? Das ist doch Schwachsinn! Können wir uns nicht einfach darauf einigen, dass in Zukunft die wichtigen Entscheidungen auf europäischer Ebene getroffen werden (und zwar von einem demokratisch gewählten Europäischen Parlament, nicht vom merkelesken Rat der nationalen Befindlichkeiten) und die für die einzelnen Regionen wichtigen Dinge direkt in den Regionen entschieden werden? Die Nationalstaaten, diese seltsame aus der globalisierten Zeit gefallene Erfindung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, behalten eine wichtige Koordinations- und Kommunikationsfunktion, aber sie geben „Macht“ nach oben und unten ab, um Teil eines starken, glokalisierten Europas sein zu können. Ein Europa der Regionen, das nicht – wie sich das Volker Kauder wünscht – deutsch spricht. Und das nicht – wie es derzeit der Fall ist – französisch spricht. Sondern das auch flämisch, katalonisch und korsisch spricht und die Interessen ALLER Bürgerinnen und Bürger beherzigt und vertritt.

Liebe kack-konservative spanische Zentralregierung: Wenn Katalonien Stierkämpfe verbieten will, dann soll Katalonien Stierkämpfe verbieten dürfen. Und wenn das Baskenland eine Finanzautonomie hat, dann sollte das für Katalonien doch auch möglich sein. Lasst die Katalonier ihre Sprache lernen und lehren. Nehmt sie ernst. Und hetzt nicht bewaffnete Polizisten auf sie. Sie sind schließlich eure Landsleute. Und das sollten sie auch bleiben.

Alles andere wäre ein Blödsinn.


Ein Referendum mit der Wahl zwischen Pest und Colera? Letzteres liegt auf jeden Fall in Katalonien.